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"Das verborgene Denkmal" - Uni Graz http://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/231727?originalFilename=true

 

"Nichts ist unsichtbarer als ein Denkmal" (Robert Musil)


Im Herbst 1988 entdeckte Gerd Stange bei einem Elbspaziergang am Strand von Övelgönne im Sand ein Stück Blech, das sich beim Graben als Wehrmachtshelm entpuppte. Ganz in der Nähe ragte ein Stück Treibholz heraus. Die beiden Fundstücke waren Auslöser einer Idee, an deren Verwirklichung der Künstler ein Jahr lang besessen und gegen immer neue Widerstände arbeitete.
Das Sammeln war für Stange bis dahin, was die Fingerübungen für den Pianisten sind. Wohin immer sein Blick wanderte, suchte er, ordnete zu oder trennte, was nicht zueinander gehörte. So bewirkte am Övelgönner Strand, wo Wellenschlag und Gezeiten Ihre Spuren hinterlassen und der Blechhelm in der Nähe eines Bunkers bei Stange so etwas wie eine Bildstörung. Während Helm und Treibholz in seinem Atelierraum zu immer neuen Kombinationen auf einem Sockel arrangiert wurden und der Künstler auf einem Stuhl davor sitzend die Möglichkeiten prüfte, gewann für ihn der Helm Lebendigkeit, wurde zum Ankläger oder Folterknecht, während er selbst die Rolle des Opfers übernahm.
Die Suche in der Vergangenheit führte Gerd Stange in das Oberlandesgericht, wo er mit Hilfe des Pförtners den ältesten Stuhl des Hauses fand. Man war bereit -im Tausch gegen ein Foto der Installation "Die Arche Noah mit zwei Schafen" von Gerd Stange -den Stuhl herauszugeben. In den folgen den Sitzungen im Atelier verschwand der Helm vom Sockel, rückte dem Künstler in der Opferrolle immer näher, bis er unter dem Stuhl lag. Die fiktive Geschichte gewann erschreckende Realität. Und für Gerd Stange stand die Gestaltung seiner Installation fest. Zunächst dachte er an einen Ort im Oberlandesgericht, aber der Plan scheiterte am Widerstand der Justizbehörde. So kam Stange auf das für ihn Naheliegende: die Geschwister-Scholl-Straße. Im zähen Ringen konnte er die Kulturbehörde Hamburg zur Unterstützung des Projektes gewinnen, dazu noch die Weiße Rose Stiftung, die SPD und die Gal, Mittel wurden zur Verfügung gestellt, um das Material zu kaufen. Alles andere - hunderte von Stunden, um das Erdreich auszuschachten, eine Stromleitung zu verlegen, ein Gitterrost und eine Stahlkammer zu verschweißen (nach den Körpermaßen des Künstlers: Augenhöhe 180 cm, Mundhöhe 170 cm, Stuhlbreite 54 cm), eine Panzerglasplatte zu bearbeiten und so weiter -waren das unbezahlte Werk von Gerd Stange, seinen Freunden und hilfsbereiten Handwerkern.
Am 1. Oktober 1990, zwei Tage nach der Vereinigung der alten und neuen Bundesländer, war die Verhörzelle in den Gehweg eingegraben, hinter einer Parkbank zwischen Sträuchern. Für manche ein Ärgernis und Anlass zu rechtsradikalen Äußerungen, für viele Anwohner jedoch eine neue und eindrucksvolle Art ein Denkmal für die Opfer des Faschismus zu gestalten: statt einer heroischen Sockelskulptur, etwas, wonach man sich bücken muss. Was sich den Blick nicht aufdrängt, sondern wonach man sucht oder worauf man zufaellig stoeßt. Und das auf diese stille Weise Eindruck hinterlaesst, besonders, wenn es nachts im stillen Schein der Gluehlampe auftaucht.

Thomas Sello (Leiter des museumspaedagogischen Dienstes an der 
Hamburger Kunsthalle)

Beitrag aus: 
Gerd Stange-Verhörzelle und andere antifaschistische Mahnmale in 
Hamburg, von Gunnar F. Gerlach und Thomas Sello, Dölling u. Galitz Verlag.

 

"Das verborgene Denkmal" http://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/231727?originalFilename=true

Nächste Aufführung :

26.01.2018

19 Uhr Klavier Knauer

Klaviere statt Waffen, Buchpräsentation

mit Marina Savova, Konzertpianistin

Spaldingstraße 49

20097 Hamburg

040-4303022

Erste Buchpräsentation 28.09.2017 im Kulturhaus Eppendorf mit Marina Savova :

 

 

 

Kulturhaus Eppendorf  28.09.2017  Klaviere satt Waffen, Buchpräsentation mit der Konzertpianistin Marina Savova

und Hund Karli

Zimmer 91

16.1.91  Kunst gegen den Golfkrieg  Kunsthaus/Kunstverein Hamburg

Konkret Literatur Verlag  ISBN 3-89458 108-5  Kontakt: Dorothea Gremliza

Beteiligung von 37 Künstler und Wissenschaftlern /der HFBK Hamburg,  Adrienne Göhler

Der Katalog wurde unterstützt von der Kulturbehörde Hamburg

Ein Projekt des BBK Hamburg zur Woche der Bildenden Kunst /Leitung: Prof. Gunnar F. Gerlach

 

Aktion "Verhörzelle"  Mahnlicht gegen Krieg 91

Günter Amendt in der Subbühne vor Beginn der Veranstaltung  "The times they are a changin" 11. Mai 1995

(Foto: Hausarchiv/ in der Subbühne entwickelt)

 

 

1. Die Pop Art und die Folgen 22.02.2013  Zum Todestag von Andy Warhol     Blauroter Stühlesaal Klavier Knauer

2. Der Gerichtsvollzieher

3. Anekdoten und Träume eines Klavierstimmers ...

 

 

 

 

 

KP Brehmer  Mai 1995   Subbühne -ein anderes Mahnmal für Wolfgang Borchert
Titel: Braunkohle in Berlin Copyright G.Stange

Lesen über Subbühne siehe KP Brehmer von G.F. Gerlach

 

 

 

 



Herausgeber Gunnar F. Gerlach,  Michael Batz.

Katalog Idee & Konzept: Gunnar F. Gerlach, Michael Batz

Katalog Design und Produktion: Stefan Böhle, Kunstfrei. Druck Dierk Heigener
ISBN - Nr. 3-930225-07-7  1994

 

 

 

 

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